Ab 1951?
Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 21-9, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 193.
 

Es ist zu vermuten, dass während des 2. Weltkriegs bis zu seinem Ausscheiden, vom Rendanten Karl Collmann von Schatteburg selbst ein pragmatischer Weg gewählt wurde, um den  Menschen seiner Heimatgemeinde den weiten Weg zur damals einzigen „Bank“ im ländlichen Raum der Kirchspiele Emlichheim und Laar zu ermöglichen.  Warum? Lesen Sie dazu die Aufzeichnung im Protokollbuch:

Stellt sich die Frage, ob die von ihm nachmittags von „2 1/2 bis 6“ Uhr abzuhaltenden „Kassenstunden“ tatsächlich stattfanden und vor allen Dingen wo?

Bevor die Frage beantwortet wird, zunächst einmal die Geschichte einer offiziellen Annahmestelle in Laar!

Durch eine Verwaltungssitzung der Molkerei Laar wurde der Wunsch an deren Verbandsrevisor herangetragen, der Raiffeisen-Genossenschaftsverband Weser-Ems e.V. möge sich für die Eröffnung einer Annahmestelle bei der Spar- und Darlehnskasse Emlichheim einsetzen. Vielleicht entstammte dieser Wunsch auch den vorher geschilderten Aktivitäten, die nach Ende des 2. Weltkriegs einfach fehlten. Organmitglieder der Molkerei müssen hierzu auch Gespräche mit dem Rendanten Lukas Köster geführt haben. Hier das Schreiben des Genossenschaftsverbandes an die Spar- und Darlehnskasse: 32-2 Schr. d.Verb. auf Wunsch d. Molkerei,09.11.1950. Es folgte daraus der nachfolgende Antrag mit einer Lageskizze: 1

 

 

 

 

 

 

 

Die Bearbeitung verzögerte sich, da sich der wohl notwendige Besuch eines Sachbearbeiters des niedersächsischen Ministeriums für Finanzen in Hannover – durch Überarbeitung – um einige Monate verschob. Dies teilte der Genossenschaftsverband mit einer Kopie seiner Stellungnahme zum Antrag der Spar- und Darlehnskasse mit: 32-2 Mittlg.d.Verb. m.Stellgnhme, 01.12.1950, 32-2 Stellnhme d.Verb. z.Antrag, 01.12.1950. Die Genehmigung für wöchentlich zwei Sprechtage in der Gemeinde Laar wurde am 2. März 1951 erteilt: 32-2 Gen. d.Antr. z. Annahmestelle, 02.03.1951.

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 32-2, Schriftwechsel zum Antragsverfahren.

Und nun zur Antwort der oben gestellten Frage: Ja, der Vorstands- und Aufsichtsratsbeschluss vom 12. April 1941 wurde vom Rendanten umgesetzt! Der Beweis fand sich im Schriftwechsel zum offiziellen Antragsverfahren aus 1950:

Bereits 1941 – zehn Jahre früher als bisher bekannt – wurden in Laar direkt Bankgeschäfte durch die Spar- und Darlehnskasse Emlichheim abgewickelt. Mit dem Ausscheiden (1947) des Rendanten Karl Collmann von Schatteburg kam es dann zu einer vierjährigen Unterbrechung. War es die erste Annahmestelle einer Spar- und Darlehnskasse in der Grafschaft? Das gilt es noch zu recherchieren. In Neuenhaus begann es erst 1958.

Vorstand und Aufsichtsrat genehmigten vorerst nur einen Sprechtag wöchentlich. 2 Die Kassenstunden wurden zunächst von 9 bis 12 Uhr abgehalten, später auch an Nachmittagen. Zu Beginn nutzte man einen Raum in der Molkerei. Dann wurden die Kassenstunden in dem Wohnzimmer der Familie Tip in Laar abgehalten. Danach wechselte man – hauptsächlich nachmittags – wieder in den Laborraum des Molkereigebäudes, in dem vormittags die Milchkontrolle durchgeführt wurde. Die Wege wurden vom Rendanten Lukas Köster oder dem Angestellten Hindrik Jan Scholtmann mit der „Fietse“ bewältigt. Ab ca. 1953 war der Angestellte Johann Masselink damit betraut, in der Regel mittwochnachmittags von 14 bis 18 Uhr. Wenn die Hauptstelle in Emlichheim geschlossen war, fuhr er mit dem Motorrad, dem „Bückien“, später dann mit dem Auto. Aus Sicherheitsgründen wurden immer wieder andere Wege gewählt, da ja alle Unterlagen und auch Bargeld mitgeführt wurde. 3

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 21-8, Protokollbuch für Generalversammlungen, S. 89.

Am 8. November 1962 beschloss der Vorstand und Aufsichtsrat die Chance zu nutzen, ein Grundstück mit ca. 1.200 qm vom Landwirt Bikkers zu kaufen. 4 In der Generalversammlung vom 17. Oktober 1963 wird einstimmig zugestimmt und gleichzeitig genehmigt, in den nächsten Jahren ein Gebäude in eigener Regie zu errichten.

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 21-10, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 204.

Im Mai 1966 war es dann soweit. Die Pläne des Architekten Kuipers wurden mit kleinen Änderungen für gut befunden. Für den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses wurden 110.000 DM veranschlagt, aber im Juni 1966 durch vorliegende Ausschreibungsergebnisse mit ca. 140 – 150 TDM beschlossen. 5

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 32-2, GN-Artikel v. 18.03.1967

Am 18. März 1967 eröffnete die Bank in einem Anbau dieses Neubaus den „Kassentrakt“ im Beisein des „93-jährigen Gründungsmitgliedes Hendrik Ensink“ offiziell. Die Wohn- und Geschäftsräume wurden anderweitig vermietet. In zwei Artikeln belegte die Tagespresse dieses Geschehen: 32-2 GN v. 18.03.1967 Sparkasse für Laar. Im Revisionsbericht für das Jahr 1967 hatte der Genossenschaftsverband die Intensivierung empfohlen, da im Einzugsbereich der neuen Annahmestelle – den Gemeinden Heesterkante, Eschebrügge, Laar und Agterhorn – „…nach den erhaltenen Auskünften zwischen 15 und 20 % der Mitglieder und Kunden der Genossenschaft ansässig sind.“ 6 Daraufhin beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat, die Geschäftszeiten auf zwei halbe Tage zu erweitern. 7

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 21-10, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 263 u. 264.

Am 2. Februar 1978 beschlossen sie, die notwendig gewordene Modernisierung der Zweigstelle in Laar umzusetzen. Die gute Entwicklung, die inzwischen durch den damaligen Leiter der Zweigstelle, Hindrik Jan Scholtmann, eine Vollzeitstelle geworden war, machte es „… erforderlich, die Zweigstelle mit einer zweiten Person zu besetzen.“ 8 Am 20. Oktober 1979 erfolgte die Übergabe der neuen Räume mit einem Tag der offenen Tür. 9 Wissenswerte Details enthält die nachfolgende Veröffentlichung:

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 32-2, Artikel der GN v. 23.10.1979.

Die stark veränderten Anforderungen an die Durchführung moderner Bankgeschäfte machte auch vor der Zweigstelle Laar nicht halt. Hinzu kam natürlich auch die anhaltend gute Entwicklung der Volksbank Emlichheim eG in der Hauptstelle sowie in der Zweigstelle. Im Herbst 1991 prüften Vorstand und Aufsichtsrat mehrere Optionen, um weiterhin alle Anforderungen an die Beratungsqualität, die enorme technische Weiterentwicklung, die Serviceleistungen sowie eine moderne 24-Stunden Selbstbedienung erfüllen zu können. 10 Um dabei auch den Standort noch zu optimieren, entschieden sich Vorstand und Aufsichtsrat für einen vollständigen Neubau. Dafür wurde – wiederum vom Landwirt Bikkers – ein ca. 1.500 qm großes Grundstück  in der Nähe zum bestehenden Grenzland-Markt erworben. 11 Die Absicht, dass bisherige Bankgebäude zu verkaufen 12, wurde am 17.08.1995 vollzogen. 13 Die Bauplanungen konnten im Dezember 1993 abgeschlossen werden, um den notwendigen Bauantrag zu stellen. 14 Die Gesamtkosten inkl. Einrichtung und Technik wurden mit ca. 1,2 Mio DM veranschlagt. Die Bauarbeiten begannen im Juni 1994. 15

Im März 1995 wurden die neuen Räumlichkeiten bezogen. Die Öffentlichkeit konnte sich am 25. März 1995 während eines Tages der offenen Tür ein Bild davon machen. Die Grafschafter Nachrichten berichteten in einer Sonderveröffentlichung: 32-2 GN Sonderveröffentlg. Neubau Laar, 32-2 GN Sonderveröffentg. Neubau Laar Seite 2.

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Geschäftsbericht 2000.

Zu den anderen Blog-Beiträgen anlässlich des 100jährigen Bestehens der damaligen Spar- und Darlehnskasse Emlichheim eGmuH kommen Sie hier: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.

Zu den prägenden Persönlichkeiten sowie der Entwicklung in Zahlen klicken Sie hier.

 

 

1. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 32-2, Schriftwechsel zum Antragsverfahren.

2. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 21-9, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 265.

3. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 32-2, 75 Jahre Volksbank Emlichheim 1919 – 1994, S.26 u. 27.

4. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 21-10, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 149.

5. Ebd., S. 206.

6. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 26-2, Revisionsbericht für 1967, S. 7.

7. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 21-10, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 237.

8. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 20-2, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 185.

9. Ebd., S. 248.

10. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 49-1, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, Protokoll v. 10.10.1991, Blatt 5 u. 6.

11. Ebd., Protokoll v. 14.11.1992, Blatt 5.

12. Ebd., Protokoll v. 05.12.1991, Blatt 3.

13. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 28-5, Prüfungsbericht für 1994, S. 6.

14. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 49-1, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, Protokolle v. 10.06.1993, Blatt 10 und v. 02.12.1993, Blatt 5.

15. Ebd., Protokoll v. 09.06.1994.