Die Stadt Neuenhaus feiert in diesem Jahr ihr 650-jähriges Jubiläum. Ein Grund mehr für uns, tief in unser Unternehmensarchiv einzutauchen, Neuenhauser Akten zu studieren, alte Fotos auszukramen und uns mit Details der Neuenhauser Bankgeschichte zu befassen. Wir freuen uns, wenn wir mit diesem historischen Beitrag ein wenig zur regionalen Wirtschaftsgeschichte beitragen können.

Seit Ende 2016 ist die Genossenschaftsidee Teil des immateriellen Kulturerbes der UNESCO und gehört somit zum „Weltkulturerbe„. Die Wurzeln unserer Bank liegen hier in der Region – wir sind ein Teil der regionalen Wirtschaftsgeschichte. Gerade deshalb fühlen wir uns als Grafschafter Volksbank eG besonders verpflichtet, einen Beitrag zur Ausarbeitung dieser Geschichte zu leisten.

Nun aber zu Neuenhaus – warum und wann bzw. wo beginnt die Geschichte der Grafschafter Volksbank eG in Neuenhaus? Anders als in anderen Orten, in denen die Bank eine Filiale hat, wurde in Neuenhaus keine eigene Spar- und Darlehnskasse gegründet, die dann später über verschiedene Fusionen zu einem größeren Institut verschmolz und heute zu den Wurzeln der Grafschafter Volksbank eG gehört. Nein, in Neuenhaus verlief die Geschichte etwas anders. Am 14. April 1921 wurde die Spar- und Darlehnskasse eGmbH Veldhausen gegründet. Sie eröffnete dann später in Neuenhaus eine Zweigstelle. Dieser Geschichte sind wir nun intensiver nachgegangen, haben die Archivalien unseres Unternehmensarchivs eingehend studiert:

Die Entwicklung der Spar- und Darlehnskasse eGmbH in Veldhausen kam nach der Errichtung eines eigenen Bankgebäudes in 1951 sehr gut voran. Man darf vermuten, dass dies auch in Neuenhaus wahrgenommen wurde. Denn in der Vorstands- und Aufsichtsratssitzung vom 15.08.1957 ist festgehalten: “ Wir lehnten s.zt. einen Antrag von Neuenhauser Geschäftsleuten auf Eröffnung einer Nebenstelle in Neuenhaus ab“. 1 Dieser Satz steht aber im Zusammenhang mit einer erneuten Beratung um die Errichtung einer Zweigstelle in Neuenhaus. Auslöser war die vorliegende Information, nach der die Kreissparkasse die Errichtung einer Zweigstelle in Veldhausen beabsichtige.2 

Eine erste Ablehnung zur Eröffnung einer Nebenstelle in Neuenhaus stand vermutlich in Zusammenhang mit der betriebswirtschaftlichen Frage „Lohnt es sich in Neuenhaus?“. Wo doch dort bereits seit 1869 die damalige Amtssparkasse Neuenhaus ihren Wirkungskreis hatte. Diese wurde 1933 durch Verfügung des Preußischen Staatsministeriums im Zuge der Zusammenlegung auf die Kreissparkasse Grafschaft Bentheim überführt.3

Den Verwaltungsmitgliedern der in 1954 umbenannten „Raiffeisenbank Veldhausen eGmbH“ riet der damalige Verbandsdirektor Dr. Roßberg vom Raiffeisen-Genossenschaftsverband Weser-Ems e.V., Oldenburg während der o. g. Sitzung dringend, „mit der Einreichung eines Antrags – Genehmigung zur Errichtung einer Filiale in Neuenhaus – über den Verband nicht mehr zu warten“. 4  Mit Schreiben vom 13.12.1957 wurde die Genehmigung vom niedersächsischen Minister für Wirtschaft und Verkehr in Hannover erteilt. 5

Trotz dieser nun vorliegenden Genehmigung war die Kreissparkasse nicht zu bewegen, das Vorhaben zur Eröffnung einer Geschäftsstelle in Veldhausen aufzugeben. So wurde die Eröffnung einer Zweigstelle in Neuenhaus während der Vorstands- und Aufsichtsratssitzung am 18. Dezember 1957 intensiv beraten. Wörtlich ist festgehalten: „Nun wird die Frage akut, ob, da die Krs.Spak. nicht zurückzieht, wir uns zur Eröffnung einer Nebenstelle entschließen wollen.“ 6 

Wiederum in Anwesenheit von Verbandsdirektor Dr. Roßberg und zusätzlich Verbandsrevisor Timmermann wurde am 25.01.1958 bei Stimmenthaltung eines Vorstandsmitglieds die Eröffnung der Zweigstelle in Neuenhaus beschlossen.

Damit ist das „Warum“ beantwortet: Der Wettbewerb war die Triebfeder dieser Entscheidung! Das „Wann“ bzw. „Wo“ ist nachfolgend dokumentiert.

Die Eröffnung erfolgte am 10. April 1958 in – von Fritz Voshaar – angemieteten Geschäftsräumen. Nach ca. vier Wochen waren bereits 18 neue Girokonten und drei Sparkonten eröffnet, die Kundenwerbung erfolgte erst später.

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-3, Protokollbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Seite 81 und Seite 84

 

 

 

 

 

 

 

 

Und wie geht es weiter ?

Nachfolgend wollen wir historisch Interessierten den weiteren Verlauf bis zum heutigen Standort der Geschäftstelle Neuenhaus darstellen:

Am 16.02.1962 war zu lesen, dass ein Grundstück vom Kaufmann Hillebrand Nyhuis gekauft wurde. Er hatte es auf der gegenüberliegenden Seite an der Bahnhofstraße zum Kauf angeboten. Der Beschluss vom  05.02.1963 war dabei interessant und vorausschauend.

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-3, Protokollbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Seite 163
Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Festschrift 50 Jahre Raiffeisenbank Veldhausen-Neuenhaus, Seite 11
Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-3, Protokollbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Seite 184

 

 

 

 

 

 

 

Ein, zusammen mit der Stadt Neuenhaus, ausgeschriebener Architektenwettbewerb wurde zu Gunsten des Architekten Rammelkamp, Nordhorn entschieden. 7 In der Generalversammlung vom 26.11.1964 in der Gastwirtschaft „Zum Prinzen“ -Schmitz, Veldhausen  wurde der Bau eines eigenen Bankgebäudes in Neuenhaus beschlossen. Dabei entschied man aus „städtebaulichen Gründen und praktischen Erwägungen“, mit der Stadt Neuenhaus einen Grundstückstausch vorzunehmen. Dem Vorstand stand dafür ein Budget von bis zu 250.000 DM zur Verfügung.8 Nebeneinander entstanden ein Verwaltungs- sowie ein Bankgebäude. Die neuen Geschäftsräume an der Bahnhofstraße (heutige Veldhausener Straße) waren mit einer neuzeitlichen Einrichtung ausgestattet und wurden am 27.01.1966 bezogen. Einen Teilbereich vermietete die Bank als Ladenlokal an die Fa. Bergmann (bis 05.1973), ebenso wie zwei Wohnungen im Oberschoss. 9

Die gute geschäftliche Entwicklung machte es bereits 1973 erforderlich, die Räumlichkeiten den Gegebenheiten anzupassen. Dafür bezog man das bisher vermietete Ladenlokal in die Umbaumaßnahmen mit ein. Gemeinsam mit der Stadt Neuenhaus beschloss die Bank 1975 die Aufstockung des Gebäudes nach Plänen des Architekten Rammelkamp. Dieses Vorhaben wurde 1976 abgeschlossen und Räumlichkeiten des erweiterten Gebäudes wurden an die Stadt Neuenhaus vermietet. 10

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-4, Protokollbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Seite 37
Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-4, Protokollbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Seite 88

Zur Erweiterung des Bankgebäudes um einen Anbau gab es längere Verhandlungsphasen. Die Bank bemühte sich um den Kauf des Nachbargrundstücks der Familie Gommer. Vor einer abschließenden Einigung entschieden Vorstand und Aufsichtsrat in ihrer Sitzung vom 18.10.1979, eine Bauvoranfrage mit den Entwürfen des Architekten Pötter zu stellen.

 

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Geschäftsbericht 1981 der Volksbank Veldhausen-Neuenhaus eG

Im April 1980 erzielte die Verwaltung mit der Familie Gommer eine Einigung. Dadurch ließ sich nunmehr zeitnah die dringend erforderliche Erweiterung des Standortes realisieren. Im Geschäftsbericht 1981 ist dokumentiert, dass die neuen Geschäftsräume im Oktober 1981 durch den An- und Umbau  bezugsfertig waren.

Auch dieser Schritt trug maßgeblich zur weiteren Entwicklung der Bank bei, so dass sich die Verwaltung bereits ab Ende der 80er Jahre wieder mit der Weiterentwicklung der Geschäftsräume in Neuenhaus beschäftigen musste. Nicht zuletzt auch durch die immer weiter fortschreitende technische Bürokommunikation. Dies dokumentiert nachfolgende Protokollierung vom 14.09.1989: 11.

Bis in das Jahr 1994 hinein liefen immer neue Überlegungen und Bemühungen. Bis zu vier weitere Objekte wurden geprüft bzw. verhandelt und nicht für gut befunden oder scheiterten. Bis am 10.02.1994 der Aufsichtsrat den Kauf des Grundstücks Börgeling/Rickling genehmigt. Eine Hamburger Firma hatte dieses Grundstück erworben, um den Neubau eines Supermarktes zu realisieren. Nachdem aber die Baupläne scheiterten, wurde das Grundstück zum Kauf angeboten. 12

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 40-3, Beschlussbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, Protokoll vom 10.02.1994

Nach Beratung mit dem Genossenschaftsverband beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat am 09.06.1994 die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs für dieses Neubauprojekt. 13 In der Sitzung des Preisgerichtes wurde am 30.11.1994 „mit eindeutiger Mehrheit der Entwurf mit der Registrier-Nr. 313131 als bester Entwurf beurteilt. Hinter diesem Entwurf verbirgt sich die Arbeit des Architekten Dr. Breukelman, Neuenhaus.“ 14 Die Realisierung des Bauvorhabens machte weitere Verhandlungen mit den Grundstücksnachbarn Blank und Peters notwendig. 15 Im Geschäftsbericht 1995 und 1996 der damaligen Volksbank Veldhausen-Neuenhaus eG stellte die Bank das endgültig geplante Vorhaben öffentlich detailliert vor:

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Geschäftsbericht 1995 und 1996 der Volksbank Veldhausen-Neuenhaus eG

 

Am 08.03.1998 wurde das von langer Hand geplante Projekt mit einem Tag der offenen Tür gewürdigt und der Bevölkerung vorgestellt. Dies ist im Geschäftsbericht 1997 der damaligen Volksbank Veldhausen-Neuenhaus eG festgehalten.

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Geschäftsbericht 1997 der Volksbank Veldhausen-Neuenhaus eG

 

 

 

 

 

 

 

Abschließend lässt sich aus dieser Entwicklung festhalten, dass die –  zunächst aus Gründen des Wettbewerbs – getroffene Entscheidung, in der Stadt Neuenhaus eine Geschäftsstelle zu eröffnen, eine sehr gute war. Man konnte zwar damals nicht ansatzweise erahnen, dass es einmal diesen erfolgreichen Verlauf nehmen würde. Aber es wurden die Grundsteine gelegt. Und die Identifizierung mit Neuenhaus zeigt der Generalversammlungsbeschluss vom 23.10.1965 mit Aufnahme des Namens in die Firmierung: Raiffeisenbank Veldhausen-Neuenhaus eGmbH 16

Mit Fleiß und Verantwortungsbewusstsein wurde die Genossenschaftsidee durch die damalige Spar- und Darlehnskasse Veldhausen eGmbH somit auch zum Erfolgsmodell in der Stadt Neuenhaus. Die Geschäftsstelle hat bis heute im Wettbewerb für unsere Grafschafter Volksbank eG eine hohe Bedeutung!

 

 

1. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-3, Protokollbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Seite 69

2. Ebd., Seite 69 bis 70

3. Jahrbuch 1966 des Heimatvereins Grafschaft Bentheim, 130 Jahre Sparkassen im Landkreis Grafschaft Bentheim von Richard Föste unter Mitarbeit von Jan Arends für den Abschnitt    Neuenhaus, Seite 134 bis 136

4. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-3, Protokollbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Seite 69

5. Ebd., Seite 76

6. Ebd., Seite 76

7. Ebd., Seite 198

8. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-1, Protokollbuch für Generalversammlung, Seite 109 bis 110

9. Festschrift 50 Jahre Raiffeisenbank Veldhausen-Neuenhaus, Seite 11

10. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-4, Protokollbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Seite 3

11. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 40-2, Beschlussbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Protokoll vom 14.09.1989

12. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 37-3, Beschlussbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Beschluss Nr. 1 vom 10.02.1994

13. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 40-3, Beschlussbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Protokoll vom 09.06.1994

14. Ebd., Protokoll vom 08.12.1994

15. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 37-3, Beschlussbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, Beschluss Nr. 1 vom 24.04.1995 und Nr. 4 vom 22.06.1995

16. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 39-1, Protokollbuch für Generalversammlung, Seite 112 bis 114