Nach dem plötzlichen Tod des Rendanten Lukas Köster am 7. September 1973 wurde in der Vorstands- und Aufsichtsratssitzung am 28. September 1973 entschieden „…bis zur Neubesetzung der Rendantenstelle…“ den Angestellten Helmut Schäl als „… kommissarischen Leiter…“ mit der Führung der Bankgeschäfte zu betrauen. 1 Die Rendantenstelle wurde umgehend in den Grafschafter Nachrichten und im Mitteilungsblatt des Verbandes ausgeschrieben. Im Sprachgebrauch änderte sich die Bezeichnung von Rendant in Bankleiter. Durch die Ausschreibung erreichten die Bank insgesamt zehn Bewerbungen. In fünf gemeinsamen Sitzungen von Vorstand und Aufsichtsrat am 18., 24. und 29. Oktober sowie am 1. und 7. November 1973 wurde intensiv diskutiert, Vorstellungsgespräche geführt und gründlich beraten. Zwischen den Sitzungen führten sie gemeinsame Telefongespräche, bis schlussendlich die abschließende Entscheidung gefallen war. Einstimmig wurde der in Nordhorn wohnhafte Bankkaufmann Georg Koops zum Nachfolger von Lukas Köster gewählt. Als Dienstantritt vereinbarte man den 1. Januar 1974. 2

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 32-1, F13.

Seine Ausbildung machte Georg Koops (geb. 1939) von 1957 bis 1960 bei der damaligen Raiffeisenbank Wilsum. Von 1960 bis 1973 sammelte er wichtige Erfahrungen im Bankgeschäft bei drei anderen Banken in der Grafschaft, davon zwei Genossenschaftsbanken. Als die Wohnung im Bankgebäude frei wurde, zog er mit seiner Familie nach Emlichheim, um sich ganz auf seine neue Aufgabe zu konzentrieren. 3 Mit der Fertigstellung des laufenden Bauprojektes wartete seine erste große Herausforderung auf ihn. Das Richtfest fand noch ohne ihn statt. 4 Aber er nutzte bereits die Gelegenheit und stellte sich den Mitgliedern unter TOP 9 der Generalversammlung am 14. Dezember 1973 persönlich vor. 5 Am 14. Oktober 1976 wurde Georg Koops vom Bankleiter als erstes hauptamtliches Mitglied einstimmig in den Vorstand gewählt. 6

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 21-10, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 27.

Bis zum 27. November 1974 firmierte die Bank immer noch mit Spar- und Darlehnskasse Emlichheim eGmbH. Alle anderen Genossenschaftsbanken in der Grafschaft hatten schon – der bundesweiten Verbandsstrategie des DRV folgend – den Namen „Raiffeisen“ in ihre Firmierung aufgenommen. Den Aufforderungen des Verbandes widerstanden die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder bereits seit dem 25. September 1953. In dieser Sitzung zur Beratung über den Revisionsbericht heißt es: „… Wegen der Firmenänderung in „Raiffeisen“ wird eine ablehnende Haltung eingenommen. Es wird die Ansicht vertreten, daß eine Namensänderung in hiesiger Gegend keinerlei Vorteile, eher Nachteile mit sich bringt. Bei dem großen Prozentsatz Einzelhandelskunden ist es auch besser, daß Wort „Raiffeisen“ nicht in die Firmenbezeichnung aufzunehmen. Es soll vorläufig jedenfalls bei der alten Firmenbezeichnung bleiben. “

Das „vorläufig“ dauerte über 20 Jahre an. Am 6. Juni 1974 beschloss die Verwaltung – einer neuen Strategie des 1972 als Dachverband entstandenen DGRV folgend – die Änderung des § 1 der Satzung zur Abstimmung zu stellen: 20-2 S. 58 Firmenänderung, Mit einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen entschied die Generalversammlung sich für die Firmierung: Volksbank Emlichheim eG. 7 

Durch eine tarifliche Arbeitszeitverkürzung wurde “ … der arbeitsfreie Sonnabend ins Auge gefaßt.“ Noch in der Bauphase reagierte man darauf mit dem Einbau eines Spätschalters, um die Abhebung von Geldbeträgen – vor allem für “ … auswärts Beschäftigte…“ zu ermöglichen. 8

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank, 32-1, F17

Dann wurde die Notwendigkeit zur Unterstützung und eventuell späteren Erweiterung der Geschäftsführung in verschiedenen Gesprächen im Vorstand und Aufsichtsrat diskutiert (das sogenannte „Vieraugenprinzip“ entstand durch eine KWG-Änderung). 9 Zu der Zeit traf dies die Gruppe der Genossenschaftsbanken  besonders hart und mit Hilfe der Verbände suchte man nach Lösungen. Eine Bewerbung von Gerhard Verwolt, gelernter Bankkaufmann mit 19-jähriger Berufserfahrung sowie Zweigstellenleiter einer anderen Genossenschaftsbank, wurde daraufhin intensiv geprüft und beraten. Ein Beschluss vom 19. September 1974 führte zur Einstellung ab dem 01. April 1975. Helmut Schäl und Gerhard Verwolt unterstützten fortan die Geschäftsführung gleichberechtigt in leitender Funktion. 10 Er erwarb sich in den Folgejahren durch vorgeschriebene Weiterbildungen die notwendigen Qualifikationen, um die inzwischen eingeführte Zustimmung vom Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen zum Führen der Bankgeschäfte für die Volksbank Emlichheim zu erhalten. Gerhard Verwolt wurde am 10. Mai 1979 einstimmig zum zweiten hauptamtlichen Vorstandsmitglied gewählt und bestellt. Damit erfüllte die Bank die neuen gesetzlichen Anforderungen des KWG zum „Vieraugenprinzip“. Die Geschäftsführung bestand jetzt aus zwei hauptamtlichen und zwei ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern. 11

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 20-2, Protokollbuch von Vorstand und Aufsichtsrat, S. 213.

Aus 1978 erscheint noch der nebenstehende Beschluss der Verwaltungsorgane beachtenswert, zur Erweiterung der Angebotspalette:

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 20-2, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 235

Seit Jahren war die Datenverarbeitung durch die im Verbandsgebiet Weser-Ems in 1964 gegründete Raiffeisen-Datenverarbeitung Weser-Ems GmbH bereits ausgelagert, um neue Methoden der Lochkartentechnik und der elektronischen Datenverarbeitung im genossenschaftlichen Sinne nutzbar zu machen. Die alten Buchungsautomaten wurden sukzessive dadurch abgelöst. 12 Der nebenstehende Beschluss ermöglichte die Datenerfassung direkt und dezentral an den Kundenschaltern.

Am 24. Mai 1984 beschlossen die Gremien das Angebot der altref. Kirchengemeinde zum Ankauf des direkt hinter dem Bankgebäude liegenden Grundstücks mit 1.649 qm anzunehmen. 13 Direkt danach wurde ein Bauausschuss gebildet, Kontakt mit dem Architekten Kuipers aufgenommen, bis November 1984 erste Baupläne erstellt und bis Mai 1985 konkretisiert. Auch wenn erst zehn Jahre seit der letzten Baumaßnahme vergangen waren, hatte sich das Bankgeschäft wiederum rasant verändert. Die Bank entwickelte sich weiter gut, der Personalbestand verdoppelte und die Angebotspalette im Bankdienstleistungsgeschäft erweiterte sich, der technische Wandel war enorm, die Dienstleistungsbereiche Bausparen, Versicherungen und Immobilien wuchsen, die Serviceleistungen entsprachen nicht mehr den Anforderungen. Kurz und gut, es bestand Handlungsbedarf. Die Gebäudeanforderungen mussten erweitert, modernisiert und den Anforderungen entsprechend angepasst werden. Nach ca. einjähriger Bauzeit konnten die neuen Geschäftsräume der Öffentlichkeit am 1. Mai 1986 mit einem Tag der offenen Tür vorgestellt werden. Rund 3,1 Mio DM für Baukörper und Betriebs- und Geschäftsausstattung waren investiert worden. 14 Einen Artikel vom 30. April 1986 in den Grafschfter Nachrichten und eine Broschüre zum Tag der offenen Tür mit jeweils interessanten Details finden Sie hier: 13-1 GN-Artikel v.30.4.1986 anl. Erweiterungsbau13-1 GN-Artikel v.30.4.1986 anl. Erweiterungsbau

Quelle: Archiv der Grafschafter Volksbank eG, 13-1, Einladung zum Tag der offenen Tür 1. Mai 1986

Das Wachstum machte in der Betriebsorganisation die Bildung von Abteilungen notwendig. Über die Zeit entstanden die Abteilungen Rechnungswesen, Organisation, Interne Revision, Marketing und Controlling, Reisen und Kreditgeschäft. Eine Anpassung und Neuordnung der Räumlichkeiten wurde in 1993 zwingend für einen weiterhin reibungslosen Ablauf der Bankgeschäfte erforderlich. Die Kreditabteilung verlagerte man vollständig in das Obergeschoss. Die anderen Bereiche wurden auf die frei gewordenen Räume aufgeteilt. 15

In 1994 bestand die Bank 75 Jahre. Über dieses Jubiläum sowie die Zeit bis zur Verschmelzung am 31. Dezember 2000 erfahren Sie mehr in Teil 5 !

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1. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 20-2, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 32.

2. Ebd., S. 34 bis 39.

3. Ebd.,

4. Ebd., S. 39 und 40.

5. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 21-8, Protokollbuch für Generalversammlungen, S. 123.

6. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 20-2, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 134.

7. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 21-8, Protokollbuch für Generalversammlungen, S. 126

8. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 20-2, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, S. 58 und 62.

9. Ebd., S. 57.

10. Ebd., S. 66 und 67.

11. Ebd., S. 229

12. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. B11, 100 Jahre – Gemeinsam voran 1890 – 1990, S. 116 ff.

13. Archiv der Grafschfter Volksbank eG, Sign. 20-1, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, Protokoll v. 24.05.1984.

14. Ebd., Protokoll vom 04.12.1986

15. Archiv der Grafschafter Volksbank eG, Sign. 49-1, Protokollbuch für Vorstand und Aufsichtsrat, Protokolle v. 10.06. und 04.11.1993.