Der gemeinsame Weg ab dem 22. Juni 1970
Durch die Fusion der Volksbank Nordhorn eGmbH mit der Raiffeisen-Bank Hestrup eGmbH entstand die „Raiffeisen- und Volksbank Nordhorn eGmbH“. Es wurde sehr schnell im täglichen Sprachgebrauch daraus die „RaiVo“ oder „Raivo“.




Die Entwicklung beider Banken zusammengefasst lässt sich erstmals im Jahresbericht 1970 aus den oben abgebildeten Charts in der Zeit von 1965 bis 1970 ablesen. Durch diesen Zusammenschluß zählte die „Raivo“ „zu den größten genossenschaftlichen Bankinstituten innerhalb des Verbandsbezirkes Weser-Ems“.1


3.536 Mitglieder zählte der Mitgliederbestand per 31.12.1970. Daraus folgte eine einschneidende Veränderung. Denn gemäß § 43 a des Genossenschaftsgesetzes musste bei mehr als 3.000 Mitgliedern eine Vertreterversammlung eingeführt werden. Am 05.05.1971 erfolgte unter TOP 8 die notwendige Satzungsänderung. 259 Mitglieder stimmen zu, bei 3 Enthaltungen und ohne Gegenstimmen. Gemäß § 27 der neuen Satzung wählten die Mitglieder aus íhren Reihen einen Wahlausschuß mit dem Zweck, die Wahlen der Mitglieder zur zukünftigen Vertreterversammlung zu lenken. Am 27.10.1971 stellte der Wahlausschuß in seiner Sitzung eine Wahlliste auf, die nun erstmals in der Zeit v. 01.12. bis 10.12.1971 in sämtlichen Geschäftslokalen zur Einsichtnahme auslag. Am 20.12.1971 stellte der Wahlausschuß fest, das es keine weiteren Listenvorschläge gab. Die mindestens notwendige Zustimmung von einem Zentel der Mitglieder war erreicht. Dami waren die erstmalig gewählten Vertreter für 5 Jahre im Amt.2
Durch eine Änderung im Genossenschaftsgesetz per 31.12.1973 wurde bei allen Genossenschaften aus einem „eGmbH“ oder „eGmuH“ das heute noch als Zusatz gültige „eG“.


Für die Geschäftsführung der „RaiVo“ verantwortlich waren die beiden hauptamtlichen Vorstandsmitglieder Dieter Siebels (aus der Volksbank Nordhorn eGmbH) und Hermann Wilmink (aus der Raiffeisen-Bank Hestrup eGmbH).
Diese beiden Herren prägten bis zu ihrem altersbedingten Ausscheiden die erfolgreiche Geschäftsentwicklung der „RaiVo“ ganz maßgeblich !
Enno Frerichs der 2. Geschäftsführer der damaligen Volksbank Nordhorn eGmbH hatte beim Erfolg einer Verschmelzung seinen Arbeitsvertrag bereits vorsorglich gekündigt.3 Er verließ die Grafschaft, um die Verantwortung bei einer anderen Genossenschaftsbank zu übernehmen.
Mehr als 2 Jahre vor der Fusion hatte die Volksbank Nordhorn eGmbH aufgrund der guten Entwicklung die Weichen für die eigene Zukunft gestellt. Denn am 14.02.1968 war in der Vorstands- und Aufsichtsratssitzung ein Grundstücksankauf zwecks Neubau an der Bahnhofstraße beschlossen worden. Ebenfalls waren weitere Grundstücksverhandlungen mit der Stadt Nordhorn und den nachbarschaftlichen Grundstücken zur Grundstücksbegradigung eingeleitet, sowie die Bauplanung in Auftrag gegeben worden.4 5
Mit der Fusion wurde der Standort an den Bentheimer Straße 23 nur vorübergehend zur Hauptstelle der „RaiVo“.


Nun waren – durch die Verschmelzung – der neu gebildete Vorstand und der Aufsichtsrat gefordert. In etlichen Sitzungen mussten die Grundstücksverhandlungen und die Baupläne beraten und beschlossen werden. Zur Umsetzung der Baupläne wurde aus den Verwaltungsmitgliedern ein Bauausschuss gebildet. Dieser empfahl, den Neubau unter gewerblichen Aspekten zu errichten und nur eine Wohnung für einen Hausmeister zu planen. Die vorerst nicht selber benötigten Gewerbeflächen im Obergeschoß wurden für eine Vermietung vorgesehen. Der Baubeginn konnte dann mit dem 23.08.1971 verkündet werden.6 Am 14.07.1972, knapp ein Jahr später, wurden die Gäste in der Gaststätte Berns, Engden zum Richtfest geladen.7 Am 09.02.1973 wurde dann mit der Einweihungsfeier der neue Standort der Hauptstelle der Raiffeisen- und Volksbank Nordhorn eGmbH bezogen. Hier ein Blick in das Innenleben der Bahnhofstraße 23: 410-2 Prospekt z. Neubau Bahnhofstr



Manfred Ziethen, Nordhorn hat auf facebook zur Geschichte dieses Grundstücks und der Bahnhofstraße einen sehenswerten Filmbeitrag erstellt.

Dem ersten Geschäftsbericht nach dem Zusammenschluss für das Jahr 1970 sind auf Seite 11 weitere interessante Entwicklungsentscheidungen zu entnehmen:
- Erweiterung und der Ausbau der bereits bestehenden Zweigstellen.
- Ein Neubau für die Zweigstelle Denekamper Straße .
- Für den Stadtteil Bookholt am 01.06.1971 die Neueröffnung einer Zweigstelle an der Veldhauser Straße.
- Ab 1971 – dem Trend einer Universalbank folgend – die Aufnahme einer Reise-Vermittlungsagentur als neues Dienstleistungsangebot.
Nun fehlt noch die Antwort auf die Frage, was wurde aus dem Standort Bentheimer Straße 23 der ehemaligen Volksbank Nordhorn eGmbH ?
Die Verwaltung beschloss am 28.09.1972, nach Vorlage einer beauftragten Wertschätzung, das Gebäude meistbietend zu verkaufen.8 In der Vorstands- und Aufsichtsratssitzung v. 15.03.1973 wurde dann einstimmig das Kaufangebot vom Bäckermeister Theodor Moeken angenommen.9.


In der damaligen analogen Welt machte ein Autoschalter und auch ein Spätschalter eine moderne Bank aus. Erhebliche Kellerkapazitäten zur Beleg- und Aktenarchivierung waren zwingend notwendig. Ein multi-funktionales Sitzungszimmer, das im Handumdrehen für Kundenveranstaltungen und Vortragsreihen genutzt werden konnte, sowie auch ein Tresorraum mit Kundenschließfächern zeigt die Entwicklung der Bankgebäude in den 1970igern am Beispiel der „Raivo“.



Weiter geht es mit Teil 2.
1. Unternehmensarchiv der Grafschafter Volksbank eG, 170-19, Geschäftsbericht 1970 S. 11.
2. Unternehmensarchiv der Grafschafter Volksbank eG, 73-3, Protokolle General- und Vertreterversammlungen 1971 – 1977, 21.06.1972.
3. Unternehmensarchiv der Grafschafter Volksbank eG, 74-1, Vorstands- und Aufsichtsratsprotokoll v. 18.06.1970.
4. Ebd., Vorstands- und Aufsichtsratsprotokolle v. 14.02.1968, 21.03.1968, 15.05.1968, 18.07.1968, 04.06.1969.
5. Unternehmensarchiv der Grafschafter Volksbank eG, 78-10. Prüfungsberichte 1967, 1968, Anlage 5 Blatt 39.
6. Unternehmensarchiv der Grafschafter Volksbank eG, 151-1, Vorstands- und Aufsichtsratsprotokolle v. 27.08.1970, 09.10.1970,14.04.1971, 16.06.1971, 18.08.1971, 26.09.1972, 31.01.1973.
7. Unternehmensarchiv der Grafschafter Volksbank eG, 157-2, Vorstandsprotokoll v. 29.07.1971.
8. Ebd., Vorstandsprotokoll v. 28.09.1972.
9. Unternehmensarchiv der Grafschafter Volksbank eG, 151-2, Vorstands- und Aufsichtsratsprotokoll v. 15.03.1973.
