Meine Klausuren

Wenn du die Wohnung zur absoluten Lernzone erklärst, du nur noch sich auftürmende Bücherberge siehst und die Kosten für Kaffee zu Fixkosten werden, ja, dann ist wohl die Rede von der anstrengendsten Phase des Semesters – der Klausurenphase! Merkwürdig, wie sie dich jedes Semester aufs Neue überraschen kann.

Wohl überall auf der Welt ist die Klausurenphase mit Stress verbunden. Auch in Bulgarien bleibt man nicht davon verschont. In Bulgarien gibt es ein umgekehrtes Notensystem. Es gibt die Noten 1 – 6, wobei 6 die Bestnote ist. Die Dozenten tragen nach der abgelegten Prüfungsleistung die Note auf ein Formblatt ein und du erfährst direkt deine Note. Erst anschließend wird die Note elektronisch eingetragen.

Insgesamt habe ich hier fünf Kurse belegt. Dazu zählten Medienprojekte, strategisches Management, PR und Öffentlichkeitsarbeit sowie auch Mathe – mein absoluter Endgegner. Für diese Kurse musste ich jede Menge Hausarbeiten schreiben, Präsentationen vorbereiten und auch zwei Klausuren standen auf dem Programm.

Der wohl zeitintensivste Kurs war die Königsdisziplin der Wissenschaft – Mathematik. Ich habe schon immer zu den Leuten gehört, die sich von der Mathe-Lawine aus Zahlen und Formeln überrollt fühlen. Mein Mathedozent wusste schon seit Tag 1, dass ich unbedingt zusätzliche Hilfe benötige, um die Klausur zu bestehen. Also hat er mir bis zuletzt Nachhilfestunden gegeben und im Gegenzug habe ich ihm Deutsch beigebracht.

Alle meine Kurse habe ich mit Bravur bestanden und bin offiziell aus meiner Klausurenphase entlassen. Nun fiebere ich dem nächsten Monat entgegen: meinem heißersehnten Reisemonat! Ganze sechs Länder werde ich bereisen, angefangen mit Ungarn. Es folgen Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Albanien und Mazedonien. Für mich kann es also keinen besseren Abschluss geben für diese tolle und unvergessliche Zeit.

Kleiner Tipp am Rande: Es motiviert einen sehr, mit der Aussicht auf eine tolle Reise die Klausurenphase gut zu überstehen – ich denke das gilt auch, wenn man nicht gerade ein Auslandssemester macht!

Klausurenphase1
Klausurenphase2

Stand: 29.01.2019

Abschied

Kaum zu glauben, dass meine Zeit hier in Bulgarien nun wirklich schon dem Ende zugeht. Ehrlich gesagt, fällt mir der Abschied noch schwerer als der aus Deutschland.

Die schöne Zeit hier lässt sich nicht einfach mit ein paar Worten beschreiben. Ich habe viele neue und besondere Menschen kennengelernt. Ich konnte in die Kultur Bulgariens eintauchen und habe jede Menge beeindruckende Städte gesehen.

Die meisten Bulgaren sind spontan, temperamentvoll, sehr gelassen und eben auch etwas chaotisch. Café- oder Restaurantbesuche gehören zum Alltag eines jeden Bulgaren. (Hier als Beispiel ein kurzes Video von einem Restaurantbesuch mit bulgarischer Folklore.) Ich kriege nicht genug von den faszinierenden Geschichten des Landes und seinen Sehenswürdigkeiten. Die Alltagsfloskeln, wie zum Beispiel „Merci“ für „Danke“ oder auch die Körpersprache der Bulgaren und ihren Humor habe ich schneller angenommen als gedacht. Das Land ist nämlich der Meinung, dass die Welt nur überlebt, weil sie lacht. Immer wieder erstaunlich fand ich, dass die meisten Menschen im Osten recht gut Deutsch sprechen. Alles in allem war es ziemlich leicht sich direkt heimisch zu fühlen und anzupassen.

Dennoch hat er mich bald wieder – der Alltagstrott in Deutschland inklusive Studium, Arbeit und natürlich Freunden und Familie. Auf vieles freue ich mich, aber eine Umstellung wird es trotzdem. Die Zeit in Bulgarien war wesentlich entspannter als mein üblicher Alltag in Deutschland. Ein vielleicht nicht allzu bekanntes Phänomen ist das Tief nach dem Erasmus-Semester. Ich bin mir sicher, dass auch ich schon bald wieder vom Fernweh gepackt werde und am liebsten sofort wieder losziehen möchte.

Es sind viele neue Freundschaften entstanden und ich habe jede Menge Erfahrungen in Bezug auf das Reisen gemacht. Generell habe ich nun einen neuen Blickwinkel auf mein Leben in der Heimat. Ich nehme eine ordentliche Portion bulgarischer Gelassenheit mit nach Hause, eine Schippe Spontaneität und eine Prise Vertrauen – vor allem in mich selbst. Ein weiser Mann hat mir während meiner Klausurenphase in Bulgarien gesagt: „Man muss gewissen Dingen freien Lauf lassen. Abwarten ist immer besser als Kontrolle.“ Ich bin davon überzeugt, dass ich durch diesen einen Satz im Hinterkopf meinen Erzfeind Mathe besiegt habe.

Ich blicke nur positiv zurück auf meine Zeit in Bulgarien und würde es jedem ans Herz legen, ins Ausland zu gehen. Die Erfahrungen, die man dort macht sind unbeschreiblich und die Momente unvergesslich. Mein neues Motto lautet: Weniger Alltag, mehr Abenteuer.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Bulgarien mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen werde. Vielleicht bedeutet der Abschied aber auch, dass sich eine neue Tür öffnet. Denn bekanntlich ist das Ende von Etwas auch immer der Anfang von etwas Neuem.

Sofia bei Nacht
Newski Kathedrale
Bulgarische Küche
Berg Stara Zagora

Stand: 10.02.2019